Rundreise durch den Süden Norwegens - ein Reisetagebuch

Spektakuläre Fjorde, alte Handelsstädte, malerische Schärengärten und ein endloser Tross an Wohnmobilen – unsere Rundreise durch den Süden Norwegens war ein echtes Abenteuer in einem der faszinierendsten Länder der Welt. Der 14-tägige Roadtrip führte uns zu rauschenden Wasserfällen, zu türkisblauen Gletscherseen und durch dramatische Fjordlandschaften. Und er begann in einem anderen skandinavischen Land.

Tag 1: Hirtshals – Dänemark

Nach einer rund 10-stündigen, monotonen Fahrt über deutsche und dänische Autobahnen, erreichten wir das erste Etappenziel unserer Norwegen-Rundreise: Hirtshals. Ganz im Norden von Jütland, also dem Teil Dänemarks, der fest mit dem europäischen Festland verbunden ist, liegt das verschlafene Städtchen. Warum Hirtshals? Ganz einfach. Hier befindet sich der Fährhafen, in dem die riesigen Fährschiffe ablegen, um Kurs auf die südnorwegische Hafenstadt Kristiansand zu nehmen.
Wir bezogen am späten Nachmittag unsere Ferienwohnung in Dänemark, die wir im Vorfeld der Reise bei einem bekannten Buchungsportal gebucht hatten. Unsere Fähre sollte erst am kommenden Morgen ablegen, also blieb noch Zeit für einen Ausflug. Und der ging – natürlich – an den Nordseestrand. Wie die Einheimischen parkten wir direkt am Strand in Sichtweite zur Brandung. Bis zu 50 m breit sind die schneeweißen Strände im Norden Jütlands und zum ersten Mal seit unserer Abfahrt kam so etwas wie Urlaubsfeeling auf. Möwen kreischten und die Wellen plätscherten – ganz Nordsee-untypisch – sanft an den Strand.
Tag 2: Überfahrt nach Kristiansand & Topdalsfjord

Am Morgen des zweiten Tages stieg das Lampenfieber. Unsere Fähre sollte um 9:00 Uhr ablegen und wir wollten uns wenigstens 1,5 Stunden vor der Abfahrt in die Reihe wartender Pkws und Wohnmobile einreihen. Nach einem kurzen Check der Tickets und Ausweise durch das Terminal-Personal kamen wir auf dem riesigen Parkplatz zum Stehen und warteten auf die Ankunft der Fjordline-Fähre. Als das riesige Schiff anlegte und die Heckklappe geöffnet war, spuckte es einen nicht enden wollenden Strom an Trucks, Pkws, Motorrädern, Wohnmobilen und Campern aus. Es vergingen rund 30 Minuten, bis das letzte Fahrzeug die Fähre verlassen hatte und wir endlich an Bord rollen durften.

Die Überfahrt nach Kristiansand dauerte rund vier Stunden und die Nordsee meinte es gut mit uns: Strahlender Sonnenschein, blauer Himmel und keine einzige Schaumkrone. Als nach rund 3,5 Stunden Land in Sicht kam, schlugen unsere Herzen vor Vorfreude höher. Wir kurvten durch die malerisch gelegenen Schärengärten von Kristiansand und bogen in den Topdalsfjord ein, wo sich das Fährterminal befindet.
Nach dem Verlassen des Schiffes warf ich noch einen kurzen Blick aus dem Autofenster und schoss ein Foto. Dank einem perfekt funktionierenden Navigationsgerät gelangten wir ohne Schwierigkeiten zu unserem Hotel in Kristiansand, das sich direkt am Topdalsfjord befand.
Jetzt wollten wir nur noch die Natur genießen. Also raus aus dem Hotelzimmer und nichts wie runter zum felsigen Ufer des Fjords. Nicht der leiseste Windhauch kräuselte das Wasser oder türmte gar Wellen auf. Verkrüppelte Kiefern und Heidekraut duckten sich zwischen den Felsen und rahmten einen winzigen, menschenleeren Sandstrand ein. Eine beinahe andächtige Ruhe lag über der Szenerie und in diesem Augenblick genügte es uns völlig, einfach nur auf den Felsen zu sitzen und den Anblick des Topdalsfjords zu genießen.
Tag 3: Freilichtmuseum Kristiansand & Flekkefjord
Bereits vor Reiseantritt hatten wir uns vorgenommen, dem Freilichtmuseum in Kristiansand einen Besuch abzustatten. An Tag 3 war es dann soweit. Pünktlich zur Öffnungszeit um 10:00 Uhr kauften wir zwei Tickets und begaben uns auf eine Reise in die Vergangenheit Norwegens. Der Vorteil dieser frühen Besuchszeit: Das Museum hatten wir fast für uns allein. Knapp 40 alte und uralte Gebäude verteilen sich auf dem Areal. Die Ältesten stammen aus dem 16. Jahrhundert. Das Freilichtmuseum ist aufgeteilt auf die Bereiche Bygade, Setesdal Hof und Vest-Agder Hof. Nachdem wir alles besichtigt hatten, gönnten wir uns eine Tasse Kaffee mit Waffeln in Konsul Mørchs Pavillon.
Nach dem Besuch des Freilichtmuseums stand die nächste Etappe unserer Rundreise durch Südnorwegen auf dem Programm. Das Ziel: der idyllisch gelegene Flekkefjord, knapp 1,5 Autostunden entfernt. Eine Unterkunft war dank einem nahezu überall verfügbaren 5G-Netzes schnell gefunden. Eine Hütte auf einem Campingplatz mit allem, was man braucht: Badezimmer, Kühlschrank, kostenfreies W-LAN, Handtücher, Bettwäsche und Brötchenservice am Morgen. Doch auf unserem Norwegen-Roadtrip war der Weg das Ziel. Also genossen wir die Fahrt entlang der zerklüfteten Küste und legten an mehreren reizvollen Orten einen Zwischenstopp ein.

Eine ausrangierte Bohrinsel

Wir entdeckten zauberhafte Seen, die sich in ihrer natürlichen Schönheit kaum von den faszinierenden Fjorden unterschieden und einige Flüsse mit mächtigen Stromschnellen. Kurz vor der Ankunft auf dem Campingplatz in Flekkefjord passierten wir eine Brücke über den relativ schmalen Fedafjorden. Von oben bot sich uns ein faszinierender Anblick auf eine ausrangierte Bohrinsel. Die wollten wir aus der Nähe sehen. Also nahmen wir die nächste Abfahrt und fuhren hinunter zur Ortschaft Feda.
Nach wenigen hundert Metern lag die Bohrinsel vor unseren Augen. Der stählerne Koloss diente einst dazu, Erdgas aus den Tiefen des Nordmeeres nach oben zu befördern, wie eine Infotafel vor der abgesperrten Zone verriet. Warum die Bohrinsel in diesem abgelegenen Fjord geparkt wurde, war aus den Angaben nicht ersichtlich. Norwegen verdankt den ergiebigen Erdöl- und Erdgasquellen vor der Küste seinen Wohlstand. Ein Großteil der Einnahmen fließt in den Norwegischen Staatsfonds, aus dem die Sozialleistungen des Landes finanziert werden.
Tag 4: Nesvåghålo – die riesige Gletschermühle an der Küste von Sokndal

Zwei Tage waren für unseren Aufenthalt in Flekkefjord eingeplant. An Tag 4 unserer Norwegen-Rundreise stand ein Ausflug nach Nesvåghålo auf dem Programm. Hinter dem schwer auszusprechenden Namen verbirgt sich ein Naturwunder der besonderen Art. Es handelt sich um eine riesige Gletschermühle mit spiegelglatt geschliffenen Felsen an der Küste von Sokndal. Geschaffen wurde diese bizarre Felslandschaft durch Gletscher. Einst bedeckten die Eismassen das skandinavische Land vollständig. Als die Gletscher am Ende der letzten Eiszeit langsam abtauten, bildeten sich unter dem Eis gigantische Ströme. Das abfließende Wasser schliff ganze Felsregionen glatt und hinterließ eine atemberaubende Landschaft mit Buchten und Minifjorden.

Allein der Weg zur Gletschermühle erwies sich als traumhafte Route. Geführt vom Navi durchfuhren wir auf einer einspurigen Straße eine malerische Landschaft mit kristallklaren Seen, schroffen Felsen und geheimnisumwitterten Sümpfen. Fast fühlten wir uns in die surrealistische Traumwelt aus "Herr der Ringe" hineinversetzt. Hinter jeder Straßenbiegung warteten neue faszinierende Ein- und Ausblicke. Trotzdem – höchste Aufmerksamkeit war das Gebot der Stunde, denn auf der kurvigen, einspurigen Strecke konnte jederzeit hinter einer nicht einsehbaren Kurve ein Auto im Gegenverkehr auftauchen. Dann hieß es: Bremse durchtreten und nach einer Ausweichbucht Ausschau halten.
Tag 5: Lysefjord, Lysevegen und eine baumlose Steinwüste

Nach zwei Tagen neigte sich unser Aufenthalt in Flekkefjord dem Ende entgegen. Es ging weiter in Richtung Norden. Nach einer rund zweistündigen Autofahrt mit mehreren Zwischenstopps erreichten wir die Ortschaft Sirdal. Hier, an der Grenze der norwegischen Regionen Vest-Agder und Rogaland beginnt eine der spektakulärsten Bergstraßen Norwegens: Der Lysevegen.
Von Sirdal kommend schraubt sich die Bergstraße immer höher, um bei 940 m über dem Meeresspiegel den höchsten Punkt zu erreichen. Längst lag die Baumgrenze hinter uns, die in Südnorwegen zwischen 800 und 1.000 m liegt. Es öffnete sich vor unseren Augen eine schroffe Steinwüste mit blank polierten Felsen und einzelnen Moosen und Flechten. Am höchsten Punkt befindet sich ein kleiner Parkplatz, der bei unserer Ankunft glücklicherweise nicht überfüllt war. Hier haben Generationen von Besuchern hunderte oder tausende Steinfiguren zwischen einzelnen kleinen Seen aufgeschichtet.
Die 40 km lange Straße windet sich durch eine bizarre Felslandschaft jenseits der Baumgrenze und endet in der Ortschaft Lysebotn, die am Ende des Lysefjords liegt. Und die Fahrt ist nichts für schwache Nerven. 27 Haarnadelkurven müssen passiert werden, wobei ein Höhenunterschied von mehr als 900 Metern überwunden wird. Besonders spektakulär ist ein Tunnel am Ende der Straße. Er windet sich durch eine Bergregion namens Råså und wurde korkenzieherförmig aus dem Berg geschnitten. Verschiedene Aussichtspunkte am Lysevegen geben den Blick auf den Lysefjord frei, der sich bei unserem Aufenthalt wolkenverhangen präsentierte.

Angelegt wurde der Lysevegen zu Beginn der 1980er Jahre für den Bau des Wasserkraftwerks Tjodan in Lysebotn. Doch die Zeit der Nutzungsdauer ist begrenzt. Aufgrund der Witterungsbedingungen ist die Bergstraße nur von Mai bis Oktober befahrbar, während sie den Rest des Jahres geschlossen bleibt. Ein Tipp für Ortsunkundige: Lysevegen ist eine Sackgasse, die in der Ortschaft Lysbotn endet. Wer den Ort am Ende des Fjords wieder verlassen will, muss die Bergstraße wieder hinauf fahren oder auf eine Fähre warten, die nach Lauvvik fährt. Wir kletterten die gesamten 940 m mit dem Auto wieder hinauf und legten das letzte Stück unserer Tagesetappe bis nach Figgjo bei Stavanger zurück.
Tag 6: Klosterromantik, Skundeneshaven und ein Relikt aus dem 2. Weltkrieg
Das Kloster Utstein
Nach unserer Übernachtung in einem Vorort von Stavanger namens Figgjo stand am sechsten Tag unserer Norwegen-Rundreise eine längere Fahrt mit der Fähre von Mortavika nach Arsvagen an. Wir waren fast in Mortavika angekommen, als uns ein Hinweisschild auf das Kloster Utstein am Straßenrand ins Auge fiel. Kurz entschlossen bogen wir ab und folgten den weiteren Hinweisschildern. Nach kurzer Fahrzeit gelangten wir auf die Insel Klosterøy, wo sich das alte Gemäuer erhebt. Erbaut wurde das Kloster im 13. Jahrhundert. Leider waren wir lange vor der offiziellen Öffnungszeit da, sodass wir die Gebäude nur von außen bestaunen konnten.

Skudeneshavn – die weiße Küstenstadt
Bei strahlendem Sonnenschein überquerten wir nach dem Klosterbesuch den Eingang des Boknafjords mit der Autofähre. Nach der Überfahrt nach Arsvagen nahmen wir Kurs auf unser nächstes Hotel in der Ortschaft Stord. Einchecken konnten wir aufgrund der frühen Tageszeit noch nicht. Also entschlossen wir uns, der Stadt Skudeneshavn einen Besuch abzustatten, die rund 50 Autominuten von Haugesund entfernt liegt. In der Küstenstadt reihen sich unzählige, schneeweiß getünchte Holzhäuser aneinander. Fischerboote und Segeljachten liegen an den zahlreichen Kaimauern vor Anker, denn die Stadt wurde auf mehreren Inseln am Eingang des Boknafjords errichtet.

Das Fort aus dem 2. Weltkrieg
Auf dem Rückweg zum Hotel fielen uns Hinweisschilder mit der Aufschrift „Syreneset Fort“ auf. Neugierig geworden folgten wir der Beschilderung und fanden uns plötzlich auf einem kleinen Parkplatz vor einer felsigen Küstenlandschaft wieder. Nach einem 30-minütigen Spaziergang durch eine bizarre Felslandschaft standen wir vor den Überresten einer alten Küstenverteidigungsanlage. Das Fort wurde im Jahr 1943 als Teil des Atlantikwalls errichtet. Die einzelnen Bauwerksteile verschmelzen nahezu mit der sie umgebenen Felslandschaft. Noch heute sind die Bunker und die Fundamente der Geschütztürme gut zu erkennen. Auch der halbkreisförmige Kommandostand mit seinem umlaufenden Sehschlitz befindet sich in einem guten Erhaltungszustand.
Tag 7: Im Zeichen der Wasserfälle
Norwegen ist ein wasserreiches Land. An unzähligen Stellen stürzen Wasserfälle über steile Abbruchkanten ins Tal oder sie plätschern sanftmütig über verstreut liegende Felsen dahin. Am 7. Tag unserer Rundreise durch Südnorwegen konnten wir ein breites Spektrum von diesen Naturwundern bestaunen. Auf dem Weg zu unserer nächsten Unterkunft in einem Vorort von Bergen passierten wir nacheinander die Wasserfälle Morkholsfossen, Fossen Bratte und Steindalsfossen. Aber der Reihe nach.
Zunächst lag eine 45-minütige Fahrt mit der Fähre vor uns, die uns von Sandvigvag nach Hahljem brachte. Kurz vor dem Ende der Überfahrt tauchten plötzlich malerische Schärengärten auf. Praktischerweise brauchten wir weder ein Ticket, noch wurde die Gebühr vor Ort kassiert. Der Grund: Vor Reiseantritt hatte ich die App „EPass24“ installiert und mich mit meiner Adresse registriert. Doch dazu mehr im letzten Teil dieses Artikels mit der Überschrift „Praktische Tipps“.
Morkholsfossen war der erste Wasserfall, den wir passierten. Er bot uns kein spektakuläres Naturschauspiel, war aber doch ein reizvoller Anblick. Für einen Fotostopp lohnt der Morkholsfossen allemal.

Kaum drei Kilometer weiter donnern die Wassermassen des Fossen Bratte über eine Felskante ins Tal. Aus einer Höhe von knapp 80 m stürzt der Fluss Eikdalselva an dieser Stelle in die Tiefe. Bis zum Fuß des Wasserfalls windet sich ein Kiesweg herab, den wir jedoch aus Zeitgründen nicht bis zum Ende gegangen sind.

Den dritten Stopp auf unserer „Wasserfall-Tour“ legten wir am Steindalsfossen ein. Der Wasserfall befindet sich unweit des Fjordarms Fykesund bei Nordheimsund und er weist eine Besonderheit auf. Hinter dem tosenden Wasser führt ein befestigter Weg entlang, sodass man das Naturspektakel aus verschiedenen Perspektiven bestaunen kann.

Tag 8: Bergen – die alte Handelsstadt
Für Bergen hatten wir einen ganzen Tag eingeplant. Die alte Handelsstadt am inneren Byfjord wird im Volksmund auch als „Stadt der sieben Hügel“ bezeichnet, weil sie - wie das antike Rom – auf sieben Erhebungen erbaut wurde. Wir hatten Bergen bereits im Rahmen einer Kreuzfahrt besucht und kannten uns ein wenig aus in der historischen City, die sich rund um den Naturhafen Vågen erstreckt.

Erste Anlaufstelle war für uns natürlich das historische Hafenviertel „Bryggen“ mit seinen bunt getünchten Holzhäusern. Ab dem 12. Jahrhundert waren dort Handelsniederlassungen der Hanse untergebracht. Nach mehreren Stadtbränden wurde das historische Viertel immer nach Originalplänen neu aufgebaut und gehört seit 1979 zum Weltkulturerbe der UNESCO.
Heute befindet sich in den Erdgeschossen der alten Handelshäuser und Kantone eine Vielzahl an Souvenirläden. Dort gibt es alles, was für den durchschnittlichen Norwegen-Touristen offensichtlich als Andenken gilt: Kaffeetassen mit Elchmotiven, Wikingerhelme aus Plastik, Holzschwerter, Troll-Figuren in sämtlichen Größen und Farben, Miniaturelche und Rentierfelle. Selbstverständlich werden alle Waren zu Mondpreisen angeboten. Aber, was soll der kreuzfahrende Norwegen-Besucher auch machen, wenn Bergen und Ålesund die einzigen Zwischenstationen mit Einkaufsmöglichkeiten sind? Zähneknirschend bezahlen!
Zum Abschluss unseres Besuches in der alten Handelsstadt schlenderten wir über den Fischmarkt am Hafen. Angefangen vom lebenden Hummer über Räucherlachs bis hin zu fangfrischem Dorsch und Walfleisch gibt es eine Vielzahl an frischen Fischen und Meeresfrüchten. Wir entschieden uns für eine Rentier- und eine Elchsalami, die wir uns in den kommenden Tagen zum Frühstück in unserem Ferienhaus in Norwegen schmecken ließen.
Tag 9: Tvindefossen, Stalheimsfossen und ein Wikinger-Dorf
Die Wikingerstadt Njardarheimr

Am neunten Tag unserer Norwegen-Rundreise verließen wir Bergen in Richtung Nordosten. Unser nächstes Ziel hieß Gudvangen, wo wir kurzfristig für zwei Übernachtungen ein Ferienhaus auf einem Campingplatz gebucht hatten. Gudvangen ist eine kleine verschlafene Ortschaft am Nærøyfjord ohne nennenswerte Attraktionen … wenn nicht die Wikingerstadt Njardarheimr wäre. Dabei handelt es sich um die originalgetreue Rekonstruktion einer Wikinger-Niederlassung, wie sie vor 1.000 Jahren existiert haben könnte.
Der Besuch der Anlage gleicht einer Zeitreise. Schmiede stellen Schwerter her, Brot wird in gemauerten Öfen gebacken und Bootsbauer geben den Planken des Langbootes den letzten Feinschliff. Als Wikinger gekleidete Protagonisten bevölkern die Stadt, arbeiten in kleinen Werkstätten und posieren als Fotomotiv für die Besucher. Wer möchte, kann seine Fähigkeiten beim Bogenschießen oder Axtwerfen unter Beweis stellen.
Höflich, aber bestimmt wird mit einem Augenzwinkern vor dem Betreten des frisch gesäten Rasens gewarnt:

Tvindefossen und Stalheimsfossen
Dass wir auf unserer Rundreise durch Südnorwegen einige Wasserfälle zu sehen bekommen, war uns klar. Dass es in dem überschaubaren Zeitraum von wenigen Tagen so viele sein würden, hat uns dennoch überrascht. Stichwort Stalheimsfossen. Nur wenige Autominuten von unserer Unterkunft auf dem Campingplatz entfernt, versteckt sich dieses Naturjuwel in einem engen Tal. Das Wasser hat sich bereits tief in das Felsgestein gegraben und der Wasserfall ähnelt einer Klamm in den Alpen. Knapp einen Kilometer lang ist der Weg vom Parkplatz bis zum Stalheimsfossen und er führt immer am gurgelnden und rauschenden Abfluss des Wasserfalls entlang.
Wie stark sich die Wasserfälle in Norwegen voneinander unterscheiden, wurde uns klar, als wir dem spektakulären Tvindefossen einen Besuch abstatteten. Als hätte ein unbekannter Künstler eine prächtige Theaterkulisse entworfen, so wirkt dieser Wasserfall auf den erste Blick. In Kaskaden strömt das Wasser über mehrere Stufen in ein kleines Becken am Fuß. Der unvergleichliche Anblick hat den Tvindefossen zu einer Touristenattraktion gemacht, was sich in der entsprechenden Infrastruktur rund um den Parkplatz niederschlägt. Neben dem obligatorischen Souvenirladen gibt es eine Eisdiele und einen Imbiss.
Tag 10: Eidfjord, Naturzentrum Hardanger und der Touristen-Hotspot Flåm
Rund 1,5 Stunden dauerte die Fahrt von unserem Quartier in Gudvangen bis in die kleine Ortschaft Eidfjord. Sie liegt am Ende eines Seitenarms des Hardangerfjords und ist auf dem Landweg nur zu erreichen, nachdem man die spektakuläre Hardanger Brücke überquert hat. Mit einer Länge von 1.380 m zählt sie zu den längsten Hängebrücken der Welt. Die Besonderheit: Die Straße verschwindet an beiden Enden der Brücke in einem Tunnel. Wir staunten nicht schlecht, als wir mitten im Berg einen unterirdischen Kreisverkehr passieren mussten.

Naturzentrum Hardanger
Eidfjord selbst hat keine spektakulären Sehenswürdigkeiten. Wir hielten uns auch nicht lange in der Ortschaft auf und fuhren weiter zum Norwegischen Naturzentrum Hardanger. Auf drei Etagen erfahren die Besucher spannende Einzelheiten zu Natur, Umwelt und Klima am Hardangerfjord. Es gibt ein Aquarium, Fossilien, interaktive Stationen und einen Kinosaal mit einer 225-Grad-Leinwand. Da wir Elche und Rentiere auf unserer Norwegen-Rundreise leider nicht in freier Wildbahn zu Gesicht bekamen, mussten wir uns mit den ausgestellten Exemplaren im Naturzentrum zufriedengeben.

Flåm - Touristen-Hotspot am Nærøyfjord
Am Nachmittag blieb uns noch etwas Zeit und so beschlossen wir, der Ortschaft Flåm einen Besuch abzustatten, die nur wenige Kilometer von unserer Unterkunft in Gudvangen entfernt liegt. Nachdem wir einen 11 und einen 5 Kilometer langen Tunnel passiert hatten, lag der Touristen-Hotspot direkt vor uns. Und nicht nur das. Sofort ins Auge fiel uns ein riesiges Kreuzfahrtschiff der britischen Reederei P&O Cruises.
Eine Besonderheit von Flåm ist der Naturbadestrand direkt neben dem Hafengelände. Dort tummelten sich Einheimische und Kreuzfahrt-Touristen gleichermaßen. Im Ortszentrum hat man sich übrigens perfekt auf die Besucher von der britischen Insel eingestellt. Direkt am Hafen beginnt eine „Fressmeile“, auf der alles angeboten wird, was die englische Fastfood-Küche zu bieten hat: Sausage Rolls, Fish and Chips, Pork Pies und Sandwiches in allen Variationen. Wir entschieden uns für Stuffed Potatoes (gefüllte Kartoffel) in den Varianten „Bacon & Cheese“ sowie „Smoked Salomon“. Anschließend folgte ein kurzer Bummel durch den riesigen Souvenirshop, bevor wir die Heimreise antraten.
Tag 11: Jostedalsbreen - Im Reich der Gletscher

Die mittelalterliche Stabkirche von Kaupanger
Am elften Tag unserer Rundreise durch Südnorwegen stand das nächste Natur-Highlight auf dem Programm. Die Fahrt führte uns von Gudvangen in den Nationalpark Jostedalsbreen – ins Reich der Gletscher.
Doch vorher statteten wir einem mittelalterlichen Kleinod am Sognefjord einen Besuch ab: der mittelalterlichen Stabkirche von Kaupanger. Erbaut um das Jahr 1140 überstand das hölzerne Gotteshaus die Jahrhunderte unbeschadet. Sie ist die drittälteste Stabkirche Norwegens und der Kirchenraum ruht auf 22 sogenannten „Stäben“, also Pfählen, die in das Erdreich gerammt wurden.
Über 850 Jahre diente das hölzerne Gotteshaus als Pfarrkirche und noch heute wird das Areal um die Kirche als Friedhof genutzt. Bemerkenswert ist, dass sämtliche Grabsteine mit der Beschriftung zum Wasser ausgerichtet sind. Bedauerlicherweise konnten wir die Stabkirche nicht von innen besichtigen.
Nigardsbreen und der türkisblaue Gletschersee
Nach dem Zwischenstopp an der Stabkirche fieberten wir dem nächsten Highlight unserer Tour entgegen: dem Nigardsbreen-Gletscher. Wir folgten am Zielort einfach der Beschilderung und standen nach einer kurzen Fahrt über eine einspurige Straße auf einem Parkplatz. Dahinter breitete sich ein türkisfarbener See aus, der vom Schmelzwasser des Nigardsbreen gespeist wurde. In der Ferne konnten wir die Gletscherzunge zwischen hellen Felsen erkennen. Zu unserer Überraschung wurden Bootsfahrten für kleines Geld quer über den See angeboten. Diese Chance ließen wir uns natürlich nicht entgehen und kurze Zeit später schipperten wir über das kristallklare (und eiskalte) Wasser dem Gletscher entgegen.
Bergsetbreen und Tuftebreen – das Gletscher-Abenteuer geht weiter
War der Gletscher Nigardsbreen schon beeindruckend, wurden unsere Erwartungen auf der nächsten Gletscher-Tour am selben Tag noch übertroffen. Einheimische hatten uns verraten, wie wir am besten zu den Gletschern Bergsetbreen und Tuftebreen gelangen. Das hieß für uns: Wanderstiefel schnüren und auf in die Berge.

Vom Parkplatz waren es noch 1,5 bzw. 3 km bis zu den beiden Gletschern, deren Zungen sich zwar in unerreichbarer Höhe befanden, doch deren majestätischer Anblick uns trotzdem den Atem verschlug. Die Wanderung führte durch eine unberührte Naturlandschaft, durch die sich rauschend die Abflüsse der beiden Gletscher ihren Weg bahnten. Wir durchquerten lichte Birkenhaine, liefen über Geröllhalden, balancierten über Holzbohlen durch sumpfiges Gelände und hatten dabei immer die gewaltige Eisfläche des Gletschers Bergsetbreen vor Augen. Die Zunge des Tuftebreen-Gletschers lugte beinahe verschämt zwischen den Felsen hervor. Der Abfluss war ein rauschender Gebirgsbach, der sich im weiteren Verlauf mit dem Abfluss des Bergsetbreen-Gletschers zu einem tosenden Wildwasserfluss vereinigte.
Tag 12: Odda und der Sørfjord
Mit den Gletschern im Jostedalsbreen-Nationalpark hatten wir den nördlichsten Punkt unseres Norwegen-Roadtrips erreicht. An Tag 12 begann die Rückreise nach Kristiansand, für die wir zwei Tage eingeplant hatten. Natürlich nahmen wir eine andere Route, als auf der Hinreise. Die erste Etappe führte von Jostedal nach Odda. Das charmante Städtchen befindet sich am Südende des Sørfjords, eines Seitenarmes des Hardangerfjords.

Die Straße schlängelt sich auf einer Länge von mehr als 30 km immer am Fjord entlang. Begünstigt durch das vergleichsweise milde Klima, ist der Sørfjord ein bedeutendes Obstanbaugebiet. Wie am Rhein die Weinreben ziehen sich an den Hängen endlose Reihen mit Apfel- und Kirschbäumen entlang.
Das Städtchen Odda empfing uns mit beinahe südländischer Gelassenheit. In der Haupteinkaufsstraße reihen sich bunte Holzhäuser aneinander, in deren Untergeschossen Geschäfte untergebracht sind. Die weiß getünchte Holzkirche am Fjord wurde im Jahr 1870 errichtet.
Während sich der Himmel am Tag unserer Ankunft mit tief hängenden Wolken präsentierte, riss die Wolkendecke am nächsten Tag auf und gab den Blick auf den Gletscher Buarbreen frei. Der Gletscher liegt oberhalb von Odda und ist Teil des Nationalparks Folgefonna.

Tag 13: Landschaftsroute Ryfylke, Latefossen und die Stabkirche Røldal
Am Morgen des 13. Tages verließen wir Odda in Richtung Süden. Nach kurzer Fahrzeit tauchte auf der linken Straßenseite erneut ein spektakulärer Wasserfall auf. Die Gischt, bestehend aus Millionen winziger Wassertropfen, sorgte für einen dünnen Nebelschleier, der den Wasserfall in ein diffuses Licht tauchte. Natürlich legten wir einen Zwischenstopp ein, um das tosende Wasser des Latefossen digital festzuhalten.

Stabkirche Røldal – Pilgerort seit dem 13. Jahrhundert

Ein kulturelles Highlight der besonderen Art erwartete uns in der kleinen Ortschaft Røldal. Dort erhebt sich eine um das Jahr 1200 erbaute Stabkirche. Das hölzerne Gotteshaus war im Mittelalter ein bedeutender Pilgerort. Ziel der Pilger war ein Kruzifix, das alten Überlieferunge zufolge heilende Kräfte besitzen soll. Dieses Mal hatten wir Glück und konnten die Innenräume der Stabkirche besichtigen. Über dem Zugang zum Altar prankt das sagenumwobene Kruzifix mit der Figur von Jesus Christus. In einem umlaufenden Gang, der in einem Halbkreis hinter dem Altar verläuft, befinden sich eine Fotoecke, die Originaltür des Kirchengebäudes aus dem 13. Jahrhundert sowie Bänke und ein Tisch.
Die Landschaftsroute Ryfylke
Dass Røldal an der südnorwegischen Landschaftsroute Ryfylke liegt, verrieten uns Hinweisschilder am Straßenrand. Kurz entschlossen bogen wir an einer vielversprechenden Abzweigung von der Hauptstraße ab und befuhren eine schmale, nur dürftig mit Leitplanken abgesicherte Straße in der Nähe der Ortschaft. Immer höher und höher windet sich die Straße durch die Berge. Frei laufende Schafe kreuzten mehrfach unseren Weg und zwangen uns zum Anhalten. Nach etlichen Haarnadelkurven parkten wir auf einer freien Fläche in schwindelerregender Höhe. Die Aussicht auf den Fjord und die Ortschaft Røldal war einfach atemberaubend.
Ein besonders reizvoller Abschnitt der Landschaftsroute Ryfylke nimmt südlich von Røldal seinen Anfang. Die Passstraße von Røldal nach Saudal schlängelt sich durch eine faszinierende Berglandschaft. Je höher wir kamen, umso spärlicher wurde der Bewuchs, bis auf einer Höhe von 1.099 m überhaupt keine Bäume mehr wuchsen. Stahlblaue Seen, eingerahmt von Felsen, auf denen selbst Ende Juli noch Reste von Schneefeldern existierten, zogen uns in den Bann. Die karge Landschaft in einer Höhe von mehr als 1.000 m unterscheidet sich in Norwegen fulminant von der üppigen Vegetation an den Fjorden.

Die letzte Übernachtung auf norwegischem Boden erfolgte in der Ortschaft Bygland. Wir hatten in einem Motel mit Appartementanlage eine Ferienwohnung in Norwegen mit Seeblick gebucht. Für die leicht in die Jahre gekommene Einrichtung entschädigte ein unglaublicher Panoramablick auf den Byglandsfjorden, bei dem es sich nicht um einen Fjord, sondern um einen Süßwassersee handelte.

Tag 14: Abschied von Fjorden, Trollen, Gletschern und Wasserfällen
Der 14. Tag unserer Rundreise durch Südnorwegen war gleichzeitig der Letzte auf dem Boden des skandinavischen Landes. Bis zur Abfahrt der Fähre, die uns zurück nach Dänemark bringen sollte, blieb noch reichlich Zeit, sodass wir uns kurz vor Kristiansand spontan entschlossen, den Hinweisschildern zur „Setesdalsbanen“ zu folgen. Wir hatten nicht die geringste Vorstellung, was uns erwartete und waren entsprechend überrascht, als wir plötzlich mit dem Auto neben einer schnaufenden Dampflok zum Stehen kamen.

Wie eine Hinweistafel verriet, handelt es sich bei der „Setesdalsbanen“ um eine historische Schmalspureisenbahn, die im Jahr 1896 in Betrieb genommen wurde. Offenbar stand der Zug mit seinen historischen Waggons kurz vor der Abfahrt, denn viele Leute tummelten sich auf dem Bahnsteig (die Aufnahme stammt von der Rückseite eines Waggons).

Um 14:30 Uhr hieß es schließlich: Abschied nehmen. Wir rollten im Hafen von Kristiansand auf die Fähre und verbrachten die knapp vierstündige Überfahrt nach Hirtshals damit, die Ereignisse der zurückliegenden Tage und Wochen Revue passieren zu lassen. Ein sehnsuchtsvoller Blick zurück – doch die dänische Flagge am Heck erinnerte uns daran, dass auch die schönste Urlaubsreise einmal zu Ende geht.













































