Unterirdische Welten: Geheime Höhlen und unbekannte Grotten auf Malta

Wer an Malta denkt, sieht Sonne, Meer, goldene Sandbuchten und azurblaue Lagunen. Die Inselgruppe im Herzen des Mittelmeers ist ein beliebtes Urlaubsziel, das jährlich Millionen Besucher anzieht. Die meisten reisen für ein Bad in der Sonne, manche für einen Blick auf die reiche Geschichte, die sich in Tempeln, Festungen und Kirchen manifestiert. Doch nur wenige wissen, dass Malta nicht nur über, sondern auch unter der Erde eine faszinierende Welt offenbart. Eine Welt aus Stille, Dunkelheit – und Geschichte.
Abseits der bekannten Blauen Grotte existiert ein ganzes Netz von geheimen Grotten, versteckten Höhlen und unterirdischen Stätten, das sowohl Naturfreunde als auch historisch Interessierte in seinen Bann zieht. In diesem Artikel nehmen wir Sie mit auf eine Malta Höhlenwanderung, wie sie nur die wenigsten Touristen erleben. Es ist ein Weg in die Tiefe, zu den verborgenen Winkeln der Insel, zu den unbekannten Höhlen – an Orte, die Geschichten erzählen, ohne ein Wort zu sprechen.
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Die Dunkelheit unter Rabat: Die Höhlen von St. Paul und St. Agatha
Wenn Sie durch Rabat spazieren, durch die schmalen Gassen mit ihren niedrigen Türen und den schmiedeeisernen Balkonen, ahnen Sie kaum, was sich unter Ihren Füßen verbirgt. Rabat, direkt neben der alten Hauptstadt Mdina gelegen, wirkt auf den ersten Blick wie ein ruhiges Städtchen, das sich seinem historischen Erbe verschrieben hat. Doch unter dem Fundament der Häuser erstreckt sich ein komplexes Netz aus Tunneln, Katakomben und Höhlen, das zu den faszinierendsten unterirdischen Orten auf Malta zählt.
Die bekannteste dieser unterirdischen Stätten ist die St. Paul’s Catacombs – ein riesiges Grabkammernsystem aus frühchristlicher Zeit. Bereits ab dem 3. Jahrhundert nach Christus wurden hier Verstorbene bestattet, lange bevor das Christentum zur Staatsreligion erklärt wurde. Die Gänge sind kühl, der Boden uneben, die Luft schwer von Geschichte. Der offizielle Zugang zur Anlage wird heute professionell betreut, doch viele Nebenarme führen tiefer in ein Gewirr von Räumen, das nicht öffentlich zugänglich ist – und gerade deshalb die Fantasie beflügelt.
Weniger bekannt, aber nicht weniger eindrucksvoll, ist die nahegelegene St. Agatha’s Crypt and Catacombs. In dieser kleineren, intimeren Anlage befinden sich Fresken aus dem 12. Jahrhundert, deren Farben in der Dunkelheit noch immer leuchten. Die Katakomben dienten über die Jahrhunderte hinweg nicht nur als Begräbnisstätten, sondern auch als Verstecke: Im Mittelalter vor Piraten, während der Inquisition vor Verfolgung und im Zweiten Weltkrieg vor den Bomben der Achsenmächte. Hier wurde geflüstert, gebetet, überlebt.
Was diese Höhlen so besonders macht, ist ihre Mehrschichtigkeit – im wörtlichen wie im übertragenen Sinn. Sie sind stille Zeugen eines über Jahrtausende hinweg andauernden Kampfes um Identität und Schutz. Eine Höhlenwanderung durch diese Orte ist nicht nur ein Ausflug in die Tiefe, sondern auch in das religiöse, politische und soziale Unterbewusstsein einer Insel, die stets zwischen den Kulturen stand.
Wer die unbekannten Höhlen Maltas erleben möchte, findet hier mehr als nur archäologische Stätten. Er findet Räume, in denen Geschichte nicht ausgestellt, sondern noch spürbar ist – roh, feucht, dunkel, echt.
Għar Il-Kbir: Die "große Höhle", die einst ein Dorf war
Etwa drei Kilometer südwestlich von Rabat, eingebettet in die terrassierten Felder rund um Dingli, befindet sich Għar Il-Kbir – eine Höhlenstruktur, die einst als ganzes Dorf diente. Von außen unscheinbar, eröffnet sich im Inneren eine riesige natürliche Halle, aus der mehrere Gänge in dunkle Seitenkammern führen.
Vom 16. bis zum 19. Jahrhundert lebten hier mehrere Familien. Sie schlugen sich ein Leben unter der Erde aus dem Fels, mit gemauerten Trennwänden, Küchen und Schlafstätten. Ein Besuch ist heute nur über geführte Touren oder mit Erlaubnis der Behörden möglich – doch wer einmal dort war, wird diesen Ort nicht vergessen. Eine perfekte Station für alle, die Maltas versteckte Höhlen erkunden möchten, die mehr sind als bloße Touristenattraktion.

Għar Dalam: Die Höhle der Anfänge
Nicht weit entfernt von der Stadt Birżebbuġa liegt Għar Dalam, die „Höhle der Finsternis“. Sie ist eine der bedeutendsten prähistorischen Fundstätten Maltas. Hier wurden Knochen von Zwergflusspferden, Elefanten und Hirschen gefunden – Tiere, die vor zehntausenden Jahren auf Malta lebten, als sie noch Teil eines Festlandes war. Auch Spuren menschlicher Besiedelung, über 7.000 Jahre alt, wurden hier entdeckt.
Die Höhle ist öffentlich zugänglich und besitzt ein kleines Museum, das eindrucksvoll die Evolution der Flora und Fauna auf Malta darstellt. Doch wer sich auf eigene Faust mit einer Taschenlampe tiefer hineinwagt – unter Führung versteht sich –, spürt das Gewicht der Erdgeschichte in der feuchten Luft und dem tropfenden Gestein. Eine spannende Höhlenwanderung, die Sie in Ihrem Urlaub in einem Ferienhaus auf Malta die tiefsten Schichten der Zeit führt.
Tal-Mixta Cave: Der geheime Aussichtspunkt über Ramla Bay
Manchmal beginnt eine Höhlenwanderung nicht mit einem Abstieg, sondern mit einem Aufstieg. Tal-Mixta Cave, auf der Nordseite der Insel Gozo gelegen, thront hoch über der berühmten Ramla Bay. Diese Grotte ist kein dunkles Loch im Felsen, sondern ein Fenster zur Welt – eines, das sich nur jenen öffnet, die bereit sind, einen steilen Pfad zu erklimmen.
Die Höhle selbst ist halb offen und durch einen niedrigen, felsigen Durchgang zugänglich. Der Eintritt erfordert ein wenig Körpergefühl – und Geduld. Doch sobald Sie im Inneren stehen, öffnet sich vor Ihnen eine natürliche Panoramaterrasse, eingerahmt von Kalksteinbögen. Der Blick auf den roten Sand der Ramla Bay, das grünlich-blaue Wasser und die zerklüfteten Klippen am Horizont ist atemberaubend. Kaum ein Ort auf Malta vereint Natur und Stille so eindrucksvoll.
Doch Tal-Mixta Cave ist mehr als nur ein Fotospot. Archäologen gehen davon aus, dass die Höhle schon in der Bronzezeit genutzt wurde – möglicherweise als Wachtposten oder heiliger Ort. Der Name selbst leitet sich vom arabischen Wort „mixta“ ab, was so viel wie „Zuflucht“ bedeutet. In späteren Jahrhunderten nutzten lokale Bauern die Grotte als Unterschlupf bei Unwettern oder als temporären Viehstall.
Heute gilt sie als eine der geheimen Grotten Maltas – ein Ort, der in kaum einem Reiseführer verzeichnet ist, dessen Besuch jedoch in keinem persönlichen Reisetagebuch fehlen sollte. Gerade in den frühen Morgenstunden, wenn die Sonne über dem Horizont aufsteigt, taucht das Licht die Höhle in warmes Gold. Der Blick hinaus ist so perfekt gerahmt, dass man meinen könnte, die Natur habe sich selbst inszeniert.
Für viele Besucher ist Tal-Mixta der Höhepunkt einer Höhlenwanderung auf Malta, obwohl sie weniger tief als hoch liegt. Doch was ihr an geologischer Komplexität fehlt, macht sie mit Atmosphäre und Abgeschiedenheit mehr als wett. Wer Malta von einer stilleren, unberührteren Seite erleben will, findet hier eine Bühne der Natur – verborgen, erhoben und unvergesslich.

Ninu’s Cave & Xerri’s Grotto: Private Wunderwerke in Xagħra
Ebenfalls auf Gozo, im malerischen Dorf Xagħra, befinden sich zwei bemerkenswerte Höhlen – und das Besondere: Sie liegen unter privaten Wohnhäusern. Ninu’s Cave und Xerri’s Grotto wurden bei Bauarbeiten entdeckt, als die Eigentümer ihrer Häuser Keller ausheben wollten. Heute führen sie Besucher selbst in die faszinierenden Welten unter ihrem Zuhause.
Xerri’s Grotto beeindruckt durch ihre Stalaktiten und Stalagmiten, geformt über Jahrtausende, während Ninu’s Cave durch ihre farblichen Gesteinsschichten fasziniert. Beide Orte sind wenig bekannt – perfekt für eine Malta Höhlenwanderung, die fernab der üblichen Pfade verläuft.
Għar ta’ Ħamrija: Ein Ort des Widerstands
Versteckt an der dramatischen Steilküste im Südwesten Maltas, nur einen Steinwurf von der touristisch überlaufenen Blauen Grotte entfernt, liegt Għar ta’ Ħamrija – eine unscheinbare, leicht zu übersehende Höhle, deren Eingang zwischen dichten Sträuchern und schroffen Kalksteinformationen liegt. Wer sie finden will, muss sich seinen Weg erkämpfen. Doch genau das ist es, was sie so besonders macht: Sie bleibt jenen vorbehalten, die bereit sind, das Offensichtliche zu verlassen.
Diese geheime Grotte ist klein, unspektakulär im ersten Moment – und dennoch ein Ort mit Gewicht. Während des Zweiten Weltkriegs diente sie als Unterschlupf für Einheimische, die sich vor den deutschen und italienischen Luftangriffen in Sicherheit bringen mussten. In den Erzählungen der Älteren des nahegelegenen Ortes Żurrieq ist sie bis heute ein Symbol für Überlebenswillen und Widerstand.
Għar ta’ Ħamrija ist schwer zugänglich, nicht ausgeschildert und wird kaum erwähnt – weder auf offiziellen Karten noch in Tourismusbroschüren. Dennoch berichten lokale Wanderführer und Historiker von der Bedeutung dieses Ortes. Die Höhle öffnet sich wenige Meter über dem Meer, eingebettet in eine Felswand, mit Blick auf das ungestüme Blau des Mittelmeers. Der Zugang erfolgt über einen schmalen Trampelpfad entlang der Klippen – nichts für schwache Nerven, aber ein Paradies für Entdecker.
Im Inneren ist die Grotte kühl, feucht, niedrig – und doch voller Energie. Alte Inschriften, eingeritzte Kreuze, vielleicht Zeichen derer, die hier Schutz suchten oder beteten. Eine natürliche Stille liegt über allem, unterbrochen nur vom Rauschen der Wellen weit unterhalb. Wer hier verweilt, versteht, warum Maltas unterirdische Orte mehr sind als Fels und Schatten – sie sind Resonanzräume menschlicher Geschichte.
Diese Höhle steht exemplarisch für jeneHöhlen auf Malta, die sich nicht durch Größe oder Schönheit definieren, sondern durch das, was sie darstellen: Schutzräume in der Not, Orte des Erinnerns und des Innehaltens. Ein Besuch ist ein stilles Statement – gegen das Vergessen und für das Unsichtbare.

Tipps für Ihre eigene Malta Höhlenwanderung
Wenn Sie sich selbst auf die Suche nach Malta verborgenen Höhlen machen möchten, beachten Sie bitte:
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Sicherheit zuerst: Viele Höhlen liegen abseits befestigter Wege. Gutes Schuhwerk, Helm und Taschenlampe sind Pflicht.
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Lokale Führer buchen: Einige Höhlen sind nur mit Erlaubnis oder lokaler Führung zugänglich. Einheimische Guides kennen nicht nur den Weg, sondern auch die Geschichten hinter den Orten.
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Respekt für Natur und Geschichte: Berühren Sie keine Formationen, nehmen Sie nichts mit. Viele dieser Orte sind empfindlich und geschützt.
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Planung ist alles: Manche Höhlen – etwa Għar Il-Kbir oder Xerri’s Grotto – erfordern Voranmeldung.
Eine Reise in die Tiefe
Maltas wahre Wunder sind nicht immer offensichtlich. Sie verstecken sich in der Erde, unter den Häusern, in Klippen und Felsspalten. Die unterirdischen Orte der Insel eröffnen eine Perspektive, die weit über das Postkartenidyll hinausgeht. Sie erzählen Geschichten von urzeitlichen Tieren, von Flucht und Schutz, von Glauben und Überleben.
Wenn Sie das nächste Mal die Insel besuchen, gehen Sie also tiefer. Lauschen Sie dem Tropfen einer Höhle, dem Hauch der Geschichte im Dunkeln. Dort, wo die Hitze der Mittelmeersonne nicht hinreicht, pulsiert ein anderes Malta – eines, das nicht für jeden sichtbar ist, aber jedem offensteht, der bereit ist, zu suchen.